
Was als Frage und Einladung erscheint, ist auch als Statement gemeint.
Thomas Bock, Professor für Klinische Psychologie und Sozialpsychiatrie und Psychologischer Psychotherapeut, lädt mit seiner Vorlesungsreihe »Anthropologische Psychiatrie« der Universität Hamburg bereits seit 2000 zum Trialog ein. Seit 2020 ist aus der Not heraus eine Tugend gewachsen und die Vorlesungsreihe ist online zugänglich geworden.
Hier kommen berufliche, wissenschaftliche und persönliche Expert*innen zusammen, die gemeinsam einen anderen Blick auf die Psychiatrie werfen. Ziel ist es, Wissen mit biografischen, sozialen, kulturellen und politischen Zusammenhängen zu verbinden – statt Menschen auf Diagnosen oder biologische Erklärungen zu reduzieren.
Die Vorlesungsreihe bringt Menschen mit eigener Krisenerfahrung, Angehörige sowie Fachleute aus Praxis und Wissenschaft miteinander ins Gespräch. Im Trialog werden unterschiedliche Perspektiven nicht geglättet: Sie dürfen sich ergänzen, widersprechen und voneinander lernen. So entstehen konkrete Impulse für Behandlung, Lehre und Alltag. Die Menschen sind Expert*innen aus persönlicher Erfahrung, durch Ihr Wissen als Angehörige oder aufgrund Ihrer beruflichen oder wissenschaftlichen Perspektive.
Mit dabei sind Fachpersonen aus der Sozial- und Gemeindepsychiatrie, Ärzt*innen aus klinischen Behandlungssettings, Genesungs- und Angehörigenbegleiter*innen, Lehrende unterschiedlicher Fachrichtungen von diversen Universitäten, Autor*innen, (politische) Aktivist*innen, Vertreter*innen vielfältiger Interessensgruppen uvm.
Eine Liste der Referent*innen gibt es bald hier ».
Diese Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation der Universität Hamburg mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Irre menschlich Hamburg e.V.
Die gesamte Vorlesungsreihe
Erleben & Identität
Psychische Grenzerfahrungen verstehen

Dieser Themenblock schaut auf das Mensch-Sein: Warum ist unsere Besonderheit nicht nur als normabweichend und fremd, sondern als zutiefst menschlich zu begreifen?
Die Dialoge über setzen Diagnosen und Grenzerfahrungen in nachvollziehbare menschliche Zusammenhänge. Wie gehen Erfahrene, Angehörige und Therapeut*innen damit um – mit und jenseits einer Diagnose?
Hier geht es um das Erleben psychischer Besonderheiten, diagnostische Begriffe, Neurodiversität, Körper- und Geschlechtsidentität.
Themen
GESELLSCHAFT & TEILHABE
Soziale Lebenslagen und gesellschaftliche Krisen mitdenken

Seelische Gesundheit entsteht nicht nur im Behandlungszimmer und psychische Krisen haben auch etwas mit der Welt zu tun. Die konkreten Lebensbedingungen entscheiden mit über die Folgen seelischer Not und über Häufigkeit und Dauer psychischer Erkrankungen. Die Dialoge verbinden Sozialpsychiatrie mit konkreten Ansätzen für Teilhabe, Prävention und niedrigschwellige Unterstützung. Sie fragen, welche Verantwortung Psychiatrie, Politik und soziale Räume tragen und diskutieren äußere Bedrohung, menschenfeindliche Strukturen und demokratische Alternativen.
Themen
BEHANDLUNG & BEGLEITUNG
Gute Behandlung gestalten

Welche Hilfen bewahren Würde, Beziehung und Selbstbestimmung – stationär, ambulant und zu Hause? Wie gelingt es, sich nicht nur in Rollen zu begegnen, sondern Mensch zu bleiben?
Dieser Block bündelt konkrete Behandlungsformen, Beziehungsgestaltung, Genesungsbegleitung, Zwangsvermeidung sowie die Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie, Jugendhilfe, Schule, Familie und sozialem Umfeld. Die Gespräche zeigen, wie milieutherapeutische und psychotherapeutische Ansätze, verbindliche Kooperation, traumasensible Behandlung und konkrete Wege aussehen können.
Themen
TRIALOGISCHER RÜCKBLICK

Hier werden die Semester der Vorlesungsreihe trialogisch reflektiert. Zu Anfang noch unterstützt vom aktuellen Ex-In-Kurs und von Irre menschlich Hamburg e. V. dann meist mit Genesungsbegleiterin Gwen Schulz, Sabine Schütze von der Open-Dialog-Bewegung und Angehöri-gen-Begleiterin Marion Ryan. Gemeinsam mit Thomas Bock blicken sie auf das jeweilige Semester zurück, diskutieren die unterschiedlichen Perspektiven und ordnen die Vorlesungen in einem Gesamtrückblick ein.
SEELENLESE:N

Die Sonderreihe »Seelenlese:n« betrachtet literarische Werke und seine Autorinnen aus der Perspektive der Psychiatrie. Dr. Torsten Flögel liest und ordnet gemeinsam mit Verena Kammerer und Thomas Bock die Texte und die Biografien der Schriftsteller*innen ein.
