Gibt es die seelisch gesunde Stadt? – SoSe 2021

Urbanes Leben lässt die Wahrscheinlichkeit, psychisch zu erkranken steigen. Großstadt-Leben bedeutet Stress. Das hat mit Umweltfaktoren wie Lärm und Luftverschmutzung zu tun, aber auch mit Reizüberflutung und fehlenden sozialen Orten für alle.

Die Gefährdung der psychischen Stabilität ist nicht für alle gleich. Armut spielt dabei eine gewichtige Rolle. Privilegierte leben auch in der Stadt gesünder. Für alle gilt: Je größer der Gegensatz von arm und reich in einer Kultur, einer Gesellschaft, einer Stadt, desto höher steigt die Rate der psychischen Erkrankungen. Ist das ein Grund, warum in Hamburg die Rate der Krankschreibungen aus psychischen Gründen am höchsten ist? Dasselbe gilt für die Ungleichverteilung von arm und reich: die einen werden krank, weil sie zu viel arbeiten, die anderen, weil sie keine Arbeit haben. Prävention ist also Politik, vielleicht vor allem Kommunalpolitik!

Welche ganz konkreten Lebensbedingungen brauchen wir, um seelisch gesund zu bleiben? Können wir von psychisch-erkrankten bzw. -sensiblen Menschen lernen, gesünder zu leben, zu arbeiten, zu lernen? Welchen Auftrag haben wir an die (Kommunal-) Politik hinsichtlich Prävention?


Arme Irre? Ist psychische Erkrankung / Gesundheit ungerecht verteilt?

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Prof. Dr. Thomas Becker, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm, Bezirkskrankenhaus Günzburg.

Belastet Armut unsere seelische Stabilität? Wäre Grundsicherung ein Beitrag zur Prävention?
»Wir wenden nicht angemessene Energie dem Skandal der Armut zu. Soziale Räume, aufsuchende Hilfen und Kontinuität sind nötig gegen soziale Ungerechtigkeit beim Zugang zu Hilfen. Wir brauchen einen Schulterschluss mit sozialen Bewegungen!«

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Ist seelisch gesundes Wohnen ein Privileg? – Der politische Kampf um Wohnraum

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Rainer Hölzke, Vorstandsmitglied Wohnungsgenossenschaft Schlüsselbund eG, Hamburg.

Wie wichtig ist Wohnen für Seelische Gesundheit – erst recht für Menschen mit psychischer Vulnerabilität? Warum ist die Sicherung von Wohnung und Betreuung zu trennen? In wie fern hängt die gesamte Psychiatriereform – auch die aktuelle Blockade der Akutpsychiatrie von diesen Fragen ab? Welche Forderungen an die Politik ergeben sich? Ist gute Stadtplanung ein Beitrag zur Prävention?

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Zu viel Arbeit macht krank, zu wenig auch! Welche Arbeit ist gesund?

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Prof. Dr. Katharina Stengler, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie / Zentrum für Seelische Gesundheit Helios Park-Klinikum Leipzig.

Zu viel Arbeit macht krank, zu wenig auch. Wie muss Arbeit beschaffen sein, dass Sie uns stärkt? Welche Art Arbeit belastet uns? Ist Arbeit ein Menschenrecht? Warum brauchen gerade Menschen mit psychischen Belastungen Zugang zu passender Arbeit? Unser Reha-System ist kompliziert und hochschwellig? Wie wäre das zu ändern? Ist supported employment eine gute Alternative? Warum reichen manchmal auch wenige Stunden Arbeit, um sich dazu gehörig zu fühlen? Ist menschenwürdige Arbeit und die Möglichkeit davon leben zu können auch ein Beitrag zur Prävention? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Politik?

Das Gespräch mit Prof. mit Frau Prof. Katharine Stengler ist Teil der Vorlesungsreihe anthropologische Psychiatrie, die unter dem Motto „Bock auf Dialog“ online stattfindet, im Sommersemester 2021 mit dem Oberthema: Gibt es die Seelisch gesunde Stadt? Mit hervorragenden Referentinnen will ich die verschiedene Lebensbereich durchgehen: Was brauchen wir um Seelisch gesund zu bleiben? Was können wir von psychisch sensiblen/erkrankten menschen lernen? Warum erfordert Prävention vor allem gute Politik? Vorangegangen und schon zugänglich sind die Gespräche mit Prof. Thomas Becker zum Thema Armut / Grundsicherung und mit Rainer Hölzke zum Thema Wohnen. Demnächst folgt  „Umwelt“ mit Katharina van Bronswijk (Psych.4future.Hamburg), „Obdachlosigkeit“ mit Katja Hübner (Autorin „OK.Danke.Ciao“), am Schluß „Sensibilität und Toleranz“ mit Irre menschlich Hamburg.

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Angst um diese Welt – psychische Krisen durch Umweltzerstörung?

Katharina van Bronswijk, Psychologists for future, Regionalgruppe Hamburg.

Die Zerstörung der Umwelt betrifft uns auch im Inneren. Selbst die Leugnung der Gefahr kann unsere Vitalität blockieren. Wie kommen wir raus aus der Falle, die uns Konsumzwang mit Freiheit verwechseln lässt? Haben Psychoseerfahrene besondere Sensoren für gesellschaftliche Bedrohungen? Ist seelische Gesundheit ein Grund mehr für Umweltschutz? Die Sorge um die Natur braucht Solidarität.

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Housing first – Wege aus einem doppelten Dilemma?

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Katja Hübner, Autorin, Hamburg / Stephan Karrenbauer, Leiter Sozialarbeit,  Hinz&Kunzt, Hamburg.

Macht Wohnungslosigkeit psychisch krank oder psychische Krankheit wohnungslos? 

Gegenüber dieser Wechselwirkung ist das Hilfesystem zu hochschwellig und zu schwerfällig. Katja Hübner, Autorin des Buchs „OK, Danke, Ciao“, spricht über ihre Begegnung mit einem jungen obdachlosen und verrückten Mann sowie mit dem Hilfesystem – eine hoffnungsvolle Geschichte, gegen das Klischee der anonymen Grossstadt. Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter beim Hamburger Stadtmagazin Hinz und Kunzt berichtet aus der Praxis und von den Erfolgen der Corona-Schutzprogramme mit Hotel Plätzen und von Housing First. Politisch stehen wir erst am Anfang.

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Sensibilität und Toleranz – der Trialog wird präventiv

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Ece Nalinci, Claudia Wetterhahn, Rebecca Nixdorf, alle Irre menschlich Hamburg e.V..

Irre menschlich Hamburg ist eines der Antistigmaprojekte der ersten Stunde, eine Bewegung von unten, vor über 20 Jahren erwachsen aus dem Trialog/Psychoseseminar: Begegnungsprojekte in Schulen und Betrieben – trialogische Fortbildungen – spezielle Gruppenangebote für junge Menschen, um für tiefe Krisen die richtigen Worte zu finden. Der Kampf gegen Vorurteile und Stigmatisierung wird zu einem Werben für Sensibilität und Toleranz – sich selbst und anderen gegenüber. Ein Beitrag für Prävention, für ein gutes Zusammenleben – notwendige Bedingung für einen seelisch gesunden Ort.

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Buchtipps

Alle, die bei den angesprochenen Themen und dem Thema »Anthopologische Psychiatrie« noch weiter in die Tiefe wollen, möchten wir folgende Bücher ans Herz legen:


Psychiatrische Krisenintervention zu Hause – Das Praxisbuch zu StäB & Co

Die Evidenz ist bestechend: Sowohl in der Stadt wie auf dem Land ist eine intensive Begleitung bei psychischen Krisen zu Hause möglich, unabhängig von der Diagnose. Sie kann von der Klinik aus organisiert werden oder auch vom gemeindepsychiatrischen Verbund. Die Akteure vor Ort berichten über Personalausstattung und Teamprozesse, über Zielgruppen, Stolpersteine und Erfolge. Sie laden ein, die vorliegenden Erfahrungen für die Organisation von aufsuchender psychiatrisch-psychotherapeutischer Krisenbehandlung vor Ort zu nutzen.

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Aufsuchende psychiatrische Arbeit

Die aufsuchende psychiatrische Arbeit bietet niederschwellige und flexible Hilfe, sie ist aber immer auch ein Eingriff in die Privatsphäre von Klient*innen. Entsprechend sensibel sollte das professionelle Vorgehen ausfallen. Kompakt und strukturiert beschreibt dieses Buch Rollen, Aufgaben und Herausforderungen der aufsuchenden psychiatrischen Arbeit. Die Anlässe für einen Hausbesuch werden dargestellt, ebenso werden Tipps für den Umgang mit angespannten oder aggressiven Situationen und für die Selbstsorge gegeben.

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Selbstbestimmtes Wohnen kompakt – Für die 3. Reformstufe des BTHG

Expertinnen und Experten beschreiben praxisnah die neuen Rahmenbedingungen, die aktuelle Forschungslage und die alltäglichen Herausforderungen, sodass Leitungskräfte und Mitarbeitende von Leistungsanbietern und Kostenträgern mit der Lektüre dieses Buches für die wichtigste Reformstufe des BTHG gut aufgestellt sind.

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Betreutes Wohnen – Mobile Unterstützung zur Teilhabe

Fast alle psychisch Erkrankten werden zukünftig in vielfältigen, »eigenen« Wohnformen leben. Für den Berufsalltag der ambulanten psychiatrischen Versorgung bedeutet das, die bisweilen schwierigen Klient*innen bei der Alltagsbewältigung kompetent, flexibel und krisenfest zu begleiten. Die Autoren schildern alle damit verbundenen Anforderungen übersichtlich und praxisnah.

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Berufliche Beratung psychisch Kranker

Dieses Buch befähigt psychiatrisch Tätige, die berufliche Beratung für psychisch erkrankte Menschen systematisch durchzuführen und die Wiedereingliederung erfolgreich zu gestalten. Mit zahlreichen praxisorientierten Handreichungen und Downloadmaterialien.

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Jobcoaching – Die betriebliche Inklusion von Menschen mit Behinderung gestalten

Um die betriebliche Inklusion von Menschen mit Behinderung zu gestalten, ist die Unterstützung am Arbeitsplatz besonders effektiv. Mit diesem Buch legen zwei erfahrene Fachleute das erste Praxiskonzept zum Jobcoaching vor: methodisch fundiert, ergebnisorientiert, kreativ. Anhand von drei Fallbeispielen mit ganz unterschiedlichen Handicaps und betrieblichen Hintergründen werden Vorgehen, mögliche Blockaden und Lösungen ausführlich dargestellt.

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Expedition Arbeit – Wege in Beschäftigung für Menschen mit Borderline

Ob Neuorientierung oder beruflicher Wiedereinstieg – der Weg in Arbeit und Beschäftigung erscheint vielen Borderline-Erkrankten wie eine Expedition ins Ungewisse. Die praxiserfahrenen Autorinnen bieten Anleitung zur Selbsthilfe und machen Mut, Strategien zur beruflichen Teilhabe zu entwickeln.

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