Gewaltrisiko, psychische Krankheit und Stigma Eine Herausforderung für die Sozialpsychiatrie: Georg Schomerus, Peter Spindler – Ausgabe 1/2019

Gewaltrisiko, psychische Krankheit und Stigma Eine Herausforderung für die Sozialpsychiatrie Georg Schomerus, Peter Spindler Gewalt, als eine Bedingung psychischer Störungen, wird seit geraumer Zeit viel diskutiert und angenommen. Im Kindes- und Jugendalter kann Gewalt zu einer Gefährdung des Kindeswohls und im Weiteren auch zu der Entstehung psychiatrischer Störungen führen. Mit Blick auf die Entwicklungsphasen des Kindes und Jugendlichen sowie mögliche (Ver-)Störungen als Gewaltfolge, soll hier der Fokus auf mögliche Entwicklungsbedingungen psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter gelegt werden, die auch im Erwachsenalter eine Rolle spielen.Eine wichtige Strategie zur Bekämpfung des Stigmas psychischer Krankheiten ist es, das Stereotyp der Gewalttätigkeit auf der Basis von Fakten zu entkräften. Dabei wird allerdings manchmal versucht, das Risiko statistisch auf andere Eigenschaften zu attribuieren, die in der Regel mit schweren psychischen Krankheiten assoziiert sind – zum Beispiel fehlende Behandlungsbereitschaft, Substanzkonsum oder eigene Gewalterfahrungen. Wir diskutieren negative Konsequenzen dieses Vorgehens und plädieren dafür, Gewaltrisiken nicht zu tabuisieren, sondern individuell und lösungsorientiert mit ihnen umzugehen.