Traub, Steinert: Welcher Anteil von Tötungsdelikten wird in Deutschland von Menschen mit psychotischen Erkrankungen verursacht und gibt es dabei Änderungen im Zeitverlauf? – Einzelartikel aus R&P 4/2026

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Tötungsdelikte durch Menschen mit psychischen Erkrankungen nehmen in der öffentlichen Berichterstattung und der politischen Diskussion bei entsprechenden Taten großen Raum ein. Ein erheblicher Selektionsbias in der Berichterstattung wird jedoch angenommen. Um den Anteil der von Menschen mit psychotischen Erkrankungen begangenen Tötungsdelikte in Deutschland zu bestimmen, benutzten wir Daten der polizeilichen Kriminalstatistik und der Strafverfolgungsstatistik des statistischen Bundesamts mit den Neuanordnungen nach § 63 StGB. Unter der gut belegten Annahme, dass bis zu 80 % dieser Fälle sich auf Personen mit psychotischen bzw. im engeren Sinne schizophrenen Störungen beziehen, blieben die Tötungsdelikte zwischen 2009 und 2021 gemäß dem ermittelten linearen Trend fast unverändert (von 861 auf 853). Der geschätzte Anteil von Tätern mit psychotischen Störungen stieg währenddessen von 9 % auf 16 %. Es handelt sich damit nicht um ein krankheitsspezifisches Merkmal, sondern das Ergebnis ist im Kontext einer relativ gewaltarmen Gesellschaft mit insgesamt abnehmender Gewaltkriminalität einzuordnen. Mögliche Gründe und methodische Limitationen werden diskutiert.