Salize, H. J.: Soziale Klasse und psychische Erkrankung – Einzelartikel aus SI 2/2021

Die gegenwärtige psychiatrische Rezeption und Diskussion des engen Zusammenhangs zwischen sozialen Faktoren und psychiatrischen Symptomen und Syndromen ist defizitär und die Praxisrelevanz von Konzepten wie der »sozialen Klasse« versorgungspolitisch gering. Als Quintessenz schreibt der vorliegende Beitrag den unpolitischen und unzeitgemäßen Ausrichtungen, Paradigmen und Perspektiven des Faches Psychiatrie in Deutschland die Verantwortung für die anhaltende psychiatrische Mangelversorgung der Bevölkerung und die fortschreitende soziale Marginalisierung alter und neuer Risikogruppen zu. Er sieht die Ausrichtung der gegenwärtigen psychiatrischen Forschungs- und Versorgungslandschaft als begünstigende Faktoren für sozialrechtliche Fehlsteuerungen und die Benachteiligung der psychiatrischen Klientel. Um seiner Aufgabe, adäquate fachliche und sozialpolitische Antworten auf die psychiatrischen Herausforderungen des galoppierenden sozialen Wandels und der globalen Krisen zu entwickeln, muss das Fach Psychiatrie eine umfassende Neujustierung und Umorientierung seiner Paradigmen und Perspektiven vornehmen.

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