Benz, Völlm: Genesungsbegleitung in der Forensischen Psychiatrie – Chancen und Herausforderungen – Einzelartikel aus R&P 2/2026

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Genesungsbegleitung, also die Arbeit von Personen mit ähnlichen Krankheits- und Lebensgeschichten wie die der Patient*innen, ist in der Forensischen Psychiatrie in Deutschland nach wie vor eine Seltenheit. Bürokratische Hürden und Vorurteile vieler Fachkräfte anderer Berufsgruppen stehen einer Implementierung häufig im Weg. In der Klinik für Forensische Psychiatrie der Universitätsmedizin Rostock wurden im Vorfeld der Implementierung von Genesungsbegleitung zwei Fokusgruppen mit fachlich ausgebildetem Personal sowie leitfadengestützte Interviews mit externen Klinikleitungen und externen Genesungsbegleiter*innen durchgeführt, um Vor- und Nachteile, Erwartungen an und Erfahrungen mit Genesungsbegleitung zu sammeln. Durch induktive thematische Analyse nach Braun und Clarke (2006) wurden Themen wie Vorbereitung, Vertrauen, Expertise durch Erfahrung, Stigmatisierung und Professionalität identifiziert. Es zeigte sich, dass die besondere berufliche Rolle, die ein:e Genesungsbegleiter:in als Expertin bzw. Experte aus persönlicher Erfahrung einnimmt, viele Fachkräfte anderer Berufsgruppen an der Professionalität sowie der Belastbarkeit und auch Vertrauenswürdigkeit zweifeln lässt. Es wurden aber auch die Chancen erkannt, Stigmatisierung forensischer Patient*innen durch Genesungsbegleitung zu reduzieren und letztlich die Versorgung der Patient*innen zu verbessern.
Schlüsselwörter: Forensische Psychiatrie, Peer Support, Genesungsbegleitung, thematische Analyse, Stigma