Sozialpsychiatrische Informationen 4/2026

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Über psychische Probleme, etwa Depressionen, Burn-out, ADHS, Autismus oder Traumafolgen wird heute ganz selbstverständlich gesprochen: in den Medien und sozialen Netzwerken, am Arbeitsplatz, in Schulen und Universitäten und auch im privaten Alltag. Waren psychische Erkrankungen früher tabuisiert, ist es heute fast überall selbstverständlich, über psychische Probleme nicht nur zu sprechen, sondern auch Unterstützung in Anspruch zu nehmen. All dies ist Ausdruck und Beleg einer aufgeklärten Gesellschaft.
Und doch bleibt ein irritierendes Paradox: Denn obwohl psychische Gesundheit so viel Aufmerksamkeit erhält wie nie zuvor, scheint zugleich unsere Gesellschaft immer fragiler. Psychische Erkrankungen zählen inzwischen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und sind seit Jahren die wichtigste Ursache für Erwerbsminderungsrenten in Deutschland. Gleichzeitig verfügt Deutschland im OECD-Vergleich über ein vergleichsweise gut ausgebautes Versorgungssystem. Aber selbst ein solch ausgebautes Versorgungssystem scheint den Bedarf an psychischer Versorgung nicht mehr decken zu können, wenn man z. B. nur die monatelangen Wartezeiten auf einen ambulanten psychotherapeutischen Behandlungsplatz betrachtet.
Wie passt das zusammen? Sind psychische Erkrankungen tatsächlich häufiger geworden? Und falls nicht: Warum haben wir den Eindruck, psychisch immer kränker zu werden? Welche gesellschaftlichen Bedingungen haben dazu geführt?

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