Engler, W.: Die Last der Verantwortung und die Sorge um sich – Einzelartikel aus SI 4/2026

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In Gesellschaften wie der unseren liegt die Last für das Gelingen des eigenen Lebens zunehmend auf den Schultern des Einzelnen, wobei die sozialen, kulturellen und ökonomischen Ressourcen, diese Last zu tragen, höchst ungleich verteilt sind. Diese Ungleichverteilung führt zu komplementären psychosozialen Dysfunktionen. Die einen holen unter dem Leitbild des »unternehmerischen Selbst« das Letzte aus sich heraus und stoßen schmerzhaft an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Andere leiden gerade unter dem Mangel an Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, oder verrichten Bullshit Jobs, mit denen sie sich beim besten Willen nicht identifizieren können. Allen gemeinsam ist die Erfahrung, in einer Gesellschaft zu leben, die sich auf vielen Feldern sichtlich im Abschwung befindet und das Versprechen einer besseren Zukunft kaum mehr erfüllt. Die Folge ist eine Ermüdung der Antriebskräfte, eine verbreitete Missstimmung sowie der Unwille, sich auf andere wohlwollend einzulassen. Die Sorge um sich wird zum beherrschenden Element der Daseinsführung und höhlt den Gemeinsinn aus.