Frei, L.: Die Rolle der Angehörigenpflege in der Schweiz – Einzelartikel aus SI 2/2025

Ein Blick auf rechtliche Entwicklungen, politische Herausforderungen und Erfahrungen aus der Praxis
In der Schweiz können pflegende Angehörige – anders als in Deutschland und Österreich – im Rahmen eines Anstellungsverhältnisses bei Spitex-Organisationen tätig sein und dafür entlohnt werden. Ein Bundesgerichtsurteil von 2019 erlaubt es, dass sie zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) Grundpflegeleistungen erbringen können, sofern sie bei einer anerkannten Organisation angestellt sind. Mit einem weiteren Urteil im Jahr 2024 wurde dieser Anspruch auf die psychiatrische Grundpflege ausgeweitet, wodurch eine rechtliche Gleichstellung von somatischer und psychiatrischer Pflege erreicht wurde. Die Anforderungen an die Qualifikationen der pflegenden Angehörigen und die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen variieren jedoch stark zwischen den Kantonen und Anbietern, weshalb die Forderung nach national einheitlichen Regelungen immer lauter wird. Obwohl dieses Modell die rechtliche und finanzielle Anerkennung pflegender Angehöriger stärkt, bleibt die Finanzierung und Qualitätssicherung ein kontrovers diskutiertes Thema.
Autorin: Linda Frei