Das Narrativ »Rituelle Gewalt«

Verschwörungsmythen und toxische Beziehungen in Psychotherapie und Beratung

Format:
Kartoniert
Auflage:
1. Auflage 2026
Seiten:
520
ISBN:
978-3-96605-383-9
Erscheint am:
16. Nov. 2026
65,00 €
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Wie therapeutische Annahmen Erinnerungsprozesse und Selbstwahrnehmung prägen

Das Narrativ »Rituelle Gewalt« hat die öffentliche Debatte um sexualisierte Gewalt sowie die Fachdebatten um Kinderschutz, Traumatherapie und Beratung polarisiert. Es berührt nicht nur grundlegende Fragen in Bezug auf sexualisierte Gewalt, es wirft zum Teil auch falsche Fragen in Bezug auf die Glaubhaftigkeit von Betroffenenberichten auf. Im Buch wird die verhärtete Polarisierung überwunden und eine verbindende fachliche Haltung vertreten, welche die Anerkennung von Gewalterfahrungen mit einer kritischen Prüfung ungesicherter therapeutischer Interpretationen, suggestiver Prozesse und diagnostischer Engführungen verschränkt.
Diese Studie lenkt den Blick auf Patient*innen, die in ihrer Kindheit und Jugend Traumata erlebt haben, von denen sie den Behandelnden berichten. Problematisiert wird die Vermutung, die Patient*innen müssten Schlimmeres, »rituelle Gewalt«, erlebt haben, um ihre Symptomatik erklären zu können. Anhand narrativer Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen sowie von Behandlungsdokumenten wird rekonstruiert, wie − untermauert durch die Diagnose einer Dissoziativen Identitätsstörung − eine gemeinsame Suche nach vermeintlich nicht erinnerten Gewalterfahrungen in Gang gesetzt wird. Dabei können Annahmen über geheime, reiche und mächtige Tätergruppen, »Mind Control«, Programmierung und Amnesien zu fortbestehenden Gewalterfahrungen zwar scheinbar Erklärungen und Orientierung bieten, aber auch Selbstwahrnehmung, soziale Beziehungen, Autonomie und Teilhabe der Betroffenen tiefgreifend beeinträchtigen. Aus der Analyse therapeutischer Verstrickungen und toxischer Behandlungsdynamiken wird abgeleitet, wie eine reflektierte, wissenschaftlich fundierte und ethisch verantwortungsvolle Therapie von Traumafolgestörungen und Dissoziativen Identitätsstörungen aussehen kann. Gerade die Kapitel über Gedächtnis, Suggestion, Beweisproblematik, professionelle Verantwortung und die Schlussfolgerungen für die therapeutische Praxis dürften neben den erschütternden Interviews und Dokumenten Interesse hervorrufen.

Leseprobe

ein Foto von Jörg M. Fegert
Autor Jörg M. Fegert

Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsklinikum Ulm, und Präsident der europäischen Fachgesellschaft European Society for Child and Adolescent Psychiatry (ESCAP).


2026 wurde er mit dem Deutschen Kinderschutzpreis sowie der Ehrenmedaille der Fachgesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Link zur Pressemitteilung.

Foto von Prof. Dr. Fegert während seiner Dankesrede auf dem DGKJP-Kongress, mit seinem Lehrbuch im Hintergrund

Pressefoto der Preisverleihung auf dem DGKJP-Kongress 2026

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Autorin Dr. Jelena Gerke

Dr. Jelena Gerke ist Psychologin (M.Sc.) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT). Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung seit über zehn Jahren mit den Themen Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend sowie Traumafolgen, u.a. im Begleitforschungsprojekt des Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch der UBSKM. In ihrer Promotion untersuchte sie mit dem Thema „Frauen als Täterinnen sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ Geschlechterstereotypien und Wahrnehmungsverzerrungen im professionellen Hilfesystem. Seit 2020 widmet sie sich dem Thema der „rituellen Gewalt“ und damit assoziierte schädliche Therapien, Behandlungsfehler und Grenzüberschreitungen im Bereich der Traumatherapie.

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Autorin Lea Frühauf

Lea Frühauf ist Psychologin (M.Sc.) und psychologische Psychotherapeutin in fortgeschrittener Ausbildung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unterschiedliche Gewaltformen, Qualitätssicherung sowie Behandlungsfehler im psychotherapeutischen Kontext.

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Autorin Kim Magiera

Kim Magiera ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, Kriminologin (M.A.), Diplom-Pädagogin und Mediatorin in Strafsachen. Ihre Forschung gilt unterschiedlichen Gewaltphänomenen, den Dynamiken von Gewalt sowie kommunikativen Aufarbeitungsprozessen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf biografischer und narrativer Forschung zu Opferwerdung, Bewältigung und den langfristigen Folgen von Gewalterfahrungen.

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