Grotepaß, Langenstück, Schiffer: Reflexion forensischer Suchttherapie – Wirkfaktoren aus Patientensicht – Einzelartikel aus R&P 4/2025

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Die Novelle des § 64 StGB setzt nun eine aufgrund tatsächlicher Anhaltspunkte zu erwartende Aussicht auf Behandlungserfolg voraus, was die Bedeutung valider Prädiktoren für die Wirksamkeit der Behandlung von suchtkranken Straftätern noch einmal verstärkt. Die bisherige Forschung zu diesem Thema zeigt jedoch, dass die Vorhersage des Erfolgs einer Behandlung in der Entziehungsanstalt in großen Teilen durch dynamische Faktoren während der Unterbringung beeinflusst wird, die a priori entsprechend wenig vorhersagbar sind.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde nun erstmalig die Patientenperspektive untersucht, mit dem Ziel, die subjektiven Einflussfaktoren der Behandlung aus Sicht einer Gruppe von 21 erfolgreich behandelter und regulär entlassener forensischer Suchtpatienten gem. § 64 StGB aus Nordrhein-Westfalen zu erfassen. Hierzu wurde ein Mixed- Methods-Ansatz verwendet, der sowohl durch semi-strukturierte Interviews gewonnene subjektive Informationen zu Wirkfaktoren der Behandlung umfasste als auch quantitativ mittels Fragebogen erhobene Daten. Die Ergebnisse stützen zum einen die bisherigen Erkenntnisse zur Wirksamkeit der forensischen Suchtbehandlung und legen zum anderen nahe, dass auch zu Beginn der Therapie gering motivierte Patienten erfolgreich motiviert werden und die Behandlung erfolgreich abschließen können. Maßgeblich daran beteiligt sind bisher wenig beachtete dynamische Behandlungsvariablen wie die therapeutische Gemeinschaft und das Stationsklima. Auch die therapeutische Beziehung wird als bedeutsamer Aspekt für den Therapieerfolg herausgestellt und als essenziell für die Motivationsbildung beschrieben.
Schlüsselwörter: Forensische Psychiatrie, Entziehungsanstalt, § 64 StGB