Richter, H.: Faktoren der Diagnoseninflation – Einzelartikel aus SI 4/2026

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Die Zahl psychischer Diagnosen wächst in den Wohlstandsländern seit Jahrzehnten mit besonderer Geschwindigkeit. Diese Entwicklung ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: einer Zwei-Schichten-Struktur des Diagnosefeldes, eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels, einer feminisierten Affekt- und Therapiekultur, einer mit Social Media verzahnten Vergleichs- und Aufmerksamkeitsökonomie und Selbstdiagnosekultur, der kontinuierlichen Ausweitung psychopathologischer Konzepte, institutioneller Anreizstrukturen im Versorgungssystem sowie rationaler Patientenmotive von primärem bis tertiärem Krankheitsgewinn. Skizziert werden Wege diagnostischer Bescheidenheit, eine Entkopplung von Hilfe und Diagnose und eine Rehabilitation des Begriffs der Normalität.