Walde, Verhülsdonk, Staninska, Gouzoulis-Mayfrank, Querengässer: Verzögerungen durch systemische und strukturelle Entlasshindernisse aus dem Maßregelvollzug – Einzelartikel aus R&P 1/2026

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Verzögerungen durch systemische und strukturelle Entlasshindernisse aus dem Maßregelvollzug – erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts aus Nordrhein- Westfalen
Die meisten internationalen wie nationalen Studien zu Verweildauern in der forensischen Psychiatrie untersuchen Zusammenhänge zwischen diesen und personenbezogenen Faktoren. Dass auch strukturelle und systemische Faktoren Entlassungen verzögern, wird zwar immer wieder berichtet, strukturierte Untersuchungen dazu finden sich jedoch kaum. Ein kürzlich begonnenes Forschungsprojekt zielt auf die Identifikation derartiger Entlasshindernisse. Als eines von mehreren Teilprojekten wird darin in einer retrospektiven Längsschnittuntersuchung analysiert, (1) wie viele gemäß § 63 StGB untergebrachte Patient*innen von einer verlängerten Verweildauer aufgrund verzögerter Entlassvorbereitung betroffen waren, (2) welche Hindernisse im Entlassprozess auftreten und (3) um wie viele Monate die Unterbringung potenziell kürzer gewesen wäre, hätte es diese Hindernisse nicht gegeben. Die Datenerhebung erfolgte über strukturierte Behandler*inneninterviews zu bereits entlassenen Patient*innen. Der Gesamterhebungszeitraum beträgt ein Jahr; die vorliegende Auswertung bezieht sich auf die ersten sechs Monate. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass bei 46 % der Patient*innen eine frühere Entlassung möglich gewesen wäre. Zu den am häufigsten genannten strukturellen Hindernissen zählten lange Wartezeiten auf Wohnangebote sowie Schwierigkeiten bei der Klärung ausländerrechtlicher Angelegenheiten. Entlassungen wurden im Durchschnitt um 6 – 7 Monate verzögert. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, institutionelle Schnittstellenprozesse sowie das Übergangs- und Nachsorgemanagement im Maßregelvollzug systematisch zu verbessern.
    Schlüsselwörter: Forensische Psychiatrie, Entlassung, betreutes Wohnen, Migration, Schnittstellenmanagement