Bulla, Ross: Soziökonomische Benachteiligung und Unterbringung von Personen mit Migrationshintergrund im MRV-BW (§ 63 StGB) – Einzelartikel aus R&P 3/2021

Aktuelle Zahlen und Zusammenhänge Hintergrund: In der Literatur finden sich deutliche Hinweise auf einen substanziellen Zusammenhang zwischen Migration, sozialer Benachteiligung und der Prävalenz von Schizophrenie. Ziele: Die Darstellung von spezifischen Zusammenhängen zwischen den Herkunftsländern von Personen und dem Risiko einer Unterbringung nach § 63 StGB. Methode: Daten aus einem flächendeckenden Evaluationsinstrument für forensisch stationäre Patient*innen in Baden- Württemberg (FoDoBa) wurden mit Bevölkerungsstatistiken abgeglichen und mit zwei Human Development Indizes (HDI, IHDI) sowie dem Multidimensionalen Armutsindex (MPI) der Herkunftsländer in Beziehung gesetzt. In einem hierarchischen Regressionsmodell wurde geprüft, ob sich die Tatsache, dass eine Person sich illegal im Land aufhielt, zusätzlich zum HDI des Herkunftslandes auf das Einweisungsrisiko auswirkte. Ergebnisse: Im Vergleich zu Nicht-Migrant*innen liegt das Risikoverhältnis für Personen mit Migrationshintergrund, in einer forensisch psychiatrischen Einrichtung untergebracht zu werden, bei 1,12. Die bivariaten Zusammenhänge zwischen den Indizes des Herkunftslandes und dem Risiko für die Einweisung in eine forensische psychiatrische Einrichtung sind hochsignifikant. In einem Regressionsmodell war der Aufenthaltsstatus nicht prädiktiv für das Unterbringungsrisiko. Schlussfolgerung: Unterbringungen nach § 63 StGB von Mi­grant*innen werden im Verhältnis zu ihrem Anteil in der Allgemeinbevölkerung häufiger angeordnet. Ob sich eine Person illegal im Land aufhält oder ob sie einen legalen Aufenthaltstitel besitzt, wirkt sich auf die Anordnungshäufigkeit von Maßregelvollzugsbehandlungen in Baden-Württemberg nicht signifikant aus.
Schlüsselwörter: Migration, Forensische Psychiatrie, Epidemiologie, Schizophrenie

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