Steinböck, Sivo: Die forensische Psychiatrie in Italien: Ergebnisse eines REMS-Besuchs – Umschau – Einzelartikel aus R&P 1/2026

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Ein Vergleich des deutschen Maßregelvollzugs mit anderen forensisch-psychiatrischen Modellen in Europa kann für die Weiterentwicklung und die Auseinandersetzung mit den wachsenden Herausforderungen hierzulande hilfreich sein. 2022 hatten Luca Castelletti und Franco Scarpa in Recht & Psychiatrie über die ersten fünf Jahre der radikalen Reform der forensischen Psychiatrie in Italien geschrieben. Im Editorial desselben Hefts nannten wir verschiedene Fragen, die sich uns im Zusammenhang damit stellten, zum Beispiel: Warum scheint die Umkehr des Anteils ambulanter zu besonders gesicherter Forensik-Patienten in Italien zu funktionieren? Was ist dort anders? Gilt auch in Italien die Hypothese, dass eine inverse Beziehung zwischen der Zahl psychisch Kranker in Gefängnissen und den Kapazitäten der forensischen Psychiatrie besteht? Wie wird mit Entscheidungen zum Risikomanagement umgegangen, die uns als »alternativlos« erscheinen? Wohin hat sich der Zwang, wenn dem so ist, verflüchtigt oder welche Metamorphose hat er erfahren etc.? Aus dem Bedürfnis, diesen Fragen weiter nachzugehen, fassten einige Mitglieder der Redaktion den Beschluss, nach Italien zu reisen und dort exemplarisch zwei der neuen forensisch-psychiatrischen Wohn- und Unterbringungseinheiten, der REMS – »Residenze per l’Esecuzione delle Misure di Sicurezza«4 zu besuchen. Nach einem längeren Vorlauf konnte dieses Vorhaben vom 28.10. bis 01.11.2025 umgesetzt werden. Die Gruppe umfasste sieben Teilnehmer, darunter fünf Redaktionsmitglieder und einen externen ärztlichen Kollegen. Organisatorisch hervorragend geleitet und betreut wurde unsere Gruppe durch Simone Sivo, Psychiater in der Forensik des kbo-Klinikums München-Haar, der als gebürtiger Italiener zugleich stets landes- und kulturgeschichtlicher Berater und Dolmetscher in einem war.